Wie Modeschulen unseren Nachwuchs versauen!

Wie Modeschulen unseren Nachwuchs versauen!

Wie Modeschulen unseren Nachwuchs versauen!

 

Heute gibt es mal einen Blog Beitrag von mir (Daniel). Der Anlass ist traurig und schockierend zu gleich…

 

Ich werde sehr oft zu Veranstaltungen eingeladen und bekomme innerhalb der Berliner Modeszene recht viel mit. Ich halte mich eigentlich immer sehr zurück, wenn es um öffentliche Meinungen geht.

 

Gestern allerdings, als ich zu der Diskussion “Wer macht die Mode von morgen” von der AMD (Akademie Mode und Design) eingeladen wurde, ganz dem digitalen Zeitalter entsprechend über Facebook, war ich interessiert, weil dieses Thema sehr aktuell ist.

 

Da saßen die Hippen und Branchen-Insider auf dem Podium – David Roth (Blogger & Imbissbuden-Besitzer), eBay Mode-Frau Jessica Kreienkamp, Ingo Rollwagen (der Co-Direktor der AMD), Gulliaume (Start-up Berater und Labelbesitzer) und Florian Tonner (auch Dozent an der AMD und Senior Irgendwas bei zLabels).

 

Die Diskussion war in drei große Themen eingeteilt. Alle drei Unterpunkte waren genau so langweilig wie ein verregneter Sonntag im Herbst.

 

Zum Ende wurde es allerdings endlich relevant! Es ging um ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt, und zwar mehr Nachhaltigkeit in die Modewelt zu bringen. Und da wurde es dann richtig gruselig. Ich dachte erst, ich hätte mich verhört, als diese”Experten” sich anfingen zu äußern und dann allesamt zum Schluss kamen, Nachhaltigkeit spiele keine große oder relevante Rolle in der Zukunft.

 

Spätestens da wurde mir richtig schlecht, da ich einen dieser “Experten” persönlich kenne und weiß, dass er sich eigentlich gut mit dem Thema auskennt. Allerdings schien das Ziel, bloß nicht durch eine gegensätzliche Meinung aufzufallen, wichtiger zu sein. Ganz nach dem Credo: Der Weg des geringsten Widerstandes ist der Beste.

Wie sollen die Studenten etwas lernen, wenn ihre eigenen Dozenten nicht weiterdenken?

Nur, wie sollen die Studenten denn etwas lernen, wenn ihre eigenen Dozenten und Vorbilder keinen Mut haben, weiterzudenken? Das ist für mich das Schlimmste: Diese Menschen bringen unserem “Nachwuchs” die Grundwerte der Mode bei. Wenn diese Leute das Thema Nachhaltigkeit und soziales Miteinander als so irrelevant darstellen, werden wir in Zukunft keine aufgeschlossenen, gut ausgebildeten jungen Leute bekommen.

 

Eine junge Frau aus dem Publikum (leider kenne ich ihren Namen nicht) fand es auch sehr verwunderlich, dass das Thema Nachhaltigkeit keine Rolle spielen solle. Ihr Einwurf wurde jedoch abgeschmettert.

 

Die Krönung kommt allerdings noch: Es wurde schließlich, als wären nicht schon genug Klischees bedient worden, auch noch behauptet, Ökomode sehe halt scheiße aus. Da waren sie sich auch alle einig und lachten blöde. Und dann kam natürlich auch noch der obligatorische Quatsch, dass nachhaltige Mode sowieso viel zu teuer wäre.

Ich mache nicht unbedingt gerne Werbung für andere Unternehmen, aber Labels wie Hessnatur, Lanius, Armendangels oder auch Nudie Jeans sind extrem erfolgreich und das aus gutem Grund!

 

So naiv es sich auch anhören mag, am Ende wird sich das Gute immer durchsetzten und da gehören Kinderarbeit, Hungerlöhne und extreme Umweltverschmutzung nicht dazu! Was viele nicht wissen, ist, dass nachhaltige Mode mehr wächst als die Fast Fashion und somit sind wir – die transparenten und sozialen Unternehmen – auf dem Weg des Erfolges und wir sind die Zukunft!

Gleich zwei Mal wurde von den Podiumssprechern auch noch versucht, Li Edelkoorts berühmtem Zitat „Die Mode ist tot“ zu widersprechen. Leider merkte man, das keiner dort ihr Interview bzw. Manifest zu dem Thema überhaupt gelesen hatte, sonst hätten sie gewusst, was Edelkoort wirklich gesagt und gemeint hat.

Für die, die sie nicht kennen: Lidewij Edelkoort ist eine Ikone in der Modewelt und eine der einflussreichsten Vorausseher, was Trends oder Bewegungen in der Modebranche angeht.

 

Edelkoort sagt, dass dies das Ende der Mode, wie wir sie kennen, ist, weil die Mode den Bezug zu dem, was in der Welt passiert und was Menschen wollen, verloren hat. Sie sagt, dass ein Teil der Krise in der Modewelt dadurch hervorgerufen wird, dass den jungen Menschen in den Modeschulen immer noch beigebracht wird, Laufstegdesigner und individuelle Diven zu werden und dadurch zu hoffen, von den großen Luxusmodemarken entdeckt zu werden, anstatt sich, der neuen Ökonomie entsprechend, sozial auszutauschen und in Teams zusammen zu arbeiten.

Weiter sagt sie, dass die Faktoren, die die Industrie beeinträchtigen, auch die schlechten Arbeitsbedingungen in den Kleiderfabriken sind und das Versagen der Branche dort etwas zu ändern eine wichtige Rolle spielt.

 

Ich bin froh, dass jemand, der wirklich Ahnung in der Modewelt hat, das erkannt hat. Wer mehr von Li Edelkoorts Manifest, warum Fashion veraltet ist und warum die Modewelt implodieren wird, lesen will, kann das hier tun:

 

http://www.dezeen.com/2015/03/02/li-edelkoort-manifesto-anti-fashion-obsolete/

Liebe Modestudenten, denkt selbst!

Das Schlusswort von mir – Liebe Modestudenten, denkt selbst! Hört nicht auf Wichtigtuerei und leere Botschaften. Informiert euch und bildet euch eine fundierte Meinung. Seid flexibel und denkt an die Welt als Ganzes. Durchbrecht die Blase, in der eure Modeschule euch halten will und tretet ein in die wirkliche Welt!

 

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daniel
daniel.schmidt@lillika-eden.de
8 Comments
  • boah da könnt ich kotzen ehrlich gesagt, so von Blindheit geschlagen und vorallem finde ich so etwas extrem Überheblich und fern jeglicher Realität. Ja, genau ganz naiv wird mitgemacht beim Untergang der Welt…argh – erinnert mich an die Interviews kürzlich aus Leipzig in der ARD, da er öffnete eine neue Primarkfiliale. Den Leuten dort war alles egal, ob ander Menschen unter den Auswüchsen der Modeindustrie leiden, das Gift in den Klamottenist und das die Sachen null nachhaltig sind, alles wurscht hauptsache billig. Von wem ich das aber nun am letzten erwarte ist jemand der weiß was das für eine Arbeit ist. Und wenn ich etwas mit Qualität herstellen möchte muß ich doch auch an der Qualität des Ausgangsmaterials interessiert sein
    ..also am Ende auch so Geiz is geil Typen mit null Stil, na denn Ahoi

    22. April 2016 at 14:58
  • Das Thema könnte man ganz einfach lösen indem man öfter mal Studienreisen nach Bangladesh oder ähnliche Länder macht. Wer selbst mal gesehen hat, wie die Menschen dort arbeiten, dem wird vielleicht schneller klar, dass das nicht “fair” und auch nicht “nachhaltig” sein kann. Dann hätten die Studenten auch mehr Ahnung von der Realität der Bekleidungsherstellung- und würden später im Unternehmen auch anders agieren…..

    22. April 2016 at 16:56
  • Leute, ich rate euch: Kommt zum Fachbereich Textil- und Bekleidungstechnik zur Hochschule Niederrhein nach Mönchengladbach. Da könnt ihr an Workshops von FAIRSCHNiTT (Projekt von FEMNET/CCC) teilnehmen. Es gibt Fächer wie CSR-Management und Ökologie, vor einer Woche wurde das “CSR Kompetenzzentrum Niederrhein Textil und Bekleidung” eröffnet. Am kommenden Tag zum Fashion Revolution Day veranstaltet die Studierendengruppe FAIRQUER eine Aktion vor dem ASTA-Gebäude – Nähen wie Bangladesh, Praktika in Bangladesh bieten wir natürlich auch und demnächst zeigt der ASTA den FiIm “The True Cost” – (#whomademyclothes).

    22. April 2016 at 19:13
  • Jacky
    Antworten

    diese sogenannten Experten haben mich ebenfalls sehr wütend gemacht. Vielen Dank für den Artikel
    <3 erst hieß es der Modemarkt sei übersättigt aber dann wurde in die Runde geworfen dass die Mode noch schneller werden wird. Ein Widerspruch nach dem anderen.

    23. April 2016 at 16:02
  • Mirja Giebler
    Antworten

    Schade, dass diese engstirnige, ignorante und wenig innovative Meinung sich immer noch so extrem durchsetzen kann. Ich komme zwar nicht aus der Modebranche, sondern aus der Architektur, aber das Ergebnis ist das selbe. Musste ich mir neulich doch anhören, das es besonders erstrebenswert zu sein scheint, sich ein möglichst billiges Fertighaus hinzustellen und dann noch stolz darauf zu sein (Tatort: München). Unter welchen Bedingungen, mit welchen Mitteln und Materialien und mit welcher Arbeitskraft spielt da keine Rolle. Ich finde man muss dagegen argumentieren und seine Meinung vertreten, egal ob die Leute einen dann für idealistisch und öko halten. Wer auch nur einen Funken Verstand mitbringt und sich ein bisschen in der Welt umsieht (ohne zwangsweise überall selber hinzufahren 😉 sieht doch, dass es auf lange Sicht keine Alternative geben kann, als sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen. Das einzige was hier wohl hilft ist mit langem Atem weitermachen und gegen diesen Wahnsinn zu arbeiten, auch wenn der Widerstand (noch) groß ist. Haltet durch und macht weiter so :)!

    29. April 2016 at 10:30
    • So wahr Mirja, das ist die GeizistGeil..geiler als Gesund zu sein, geiler als die Welt zu bewahren… Ja man darf nicht aufhören. Es ist wichtig dafür zu sensibiliseren.damit auch diese Menschen endlich mal Aufwachen

      29. April 2016 at 11:04
  • An meiner Modeschule wurde das Thema eigentlich sehr offen und positiv angenommen, sowohl von Mitschülern als auch Dozenten. Im Lehrplan ist es allerdings nicht wirklich vorgesehen. Ich hatte trotzdem nicht den Eindruck, dass es allen angehenden Designern egal ist, im Gegenteil uns wurde vermittelt das ein Kleidungsstück mehr wert ist und Nachhaltigkeit im kommen ist. Trotzdem befürchte ich, dass Nachhaltigkeit eine Nische bleiben wird, so lange die Konsumenten nicht bereit sind umzudenken, von Marken Nachhaltigkeit und Fairness fordern und bereit sind Kleidung mehr wert zu schätzen und dafür auch mehr auszugeben. Man kann als Designer keine nachhaltige und faire Mode an Menschen verkaufen, die sie nicht wollen.

    30. April 2016 at 11:53

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