Werbung mit Handarbeit? Ernsthaft?

Werbung mit Handarbeit? Ernsthaft?

“Bei uns ist alles handgemacht”

Mir fällt oft auf, dass Modeunternehmen oder auch junge Labels mit dem Marketing-“Witz” Handarbeit um die Ecke kommen, daher möchte ich das hier mal ansprechen.

Klar, ich kann verstehen, dass man dem Kunden klarmachen möchte, dass die Mode mit der Hand gemacht wurde. Aber der Begriff “handgemacht” hat mit der romantischen Vorstellung einer kleinen Manufaktur in den meisten Fällen nichts zu tun, dennoch impliziert er aber genau das. Mich nervt es extrem, alle Begriffe, die irgendwie schön klingen zu vermarkten, obwohl in den meisten Fällen nichts dahinter steht.

Vor kurzem hat mal wieder eines dieser “Crowdfunding” Projekte gestartet mit dem Namen “Faire Kleidung handgemacht in Indien”, das klingt ja soooo toll.

Kleidung wird immer mit den Händen produziert, es kommt nur darauf an, wie!

Was mir dabei allerdings einfällt, ist: Kleidung wird immer mit den Händen produziert oder was denken die Leute da draußen – dass es da irgendwo eine Maschine gibt, wo man den Baumwollstoff reinhaut und 2 Sekunden später ein fertiges T-Shirt rauskommt!? Nein! Konfektion ist eine Fließbandarbeit, die nichts mit Romantik zu tun hat… sprich, Henry Fords feuchter Traum.

Allerdings gibt es da extreme Unterschiede, was die sozialen Bedingungen betrifft. In Deutschland, wo wir produzieren (Sachsen/U&N Textil) arbeiten die Näherinnen von 06.00 – 15.00 Uhr. Der normale deutsche Arbeitstag halt, nichts Besonderes oder Romantisches, aber dennoch ein guter Job, der sich auch am Ende des Monats auf dem Konto bemerkbar macht. Ganz anderes in Indien, Türkei oder China – solche einfachen Sachen wie Mutterschutz oder Urlaub oder gar ein guter Lohn sind dort nicht Standard wie bei uns. Dort bedeutet Handarbeit harte körpliche Arbeit 12 – 16 Stunden pro Tag. Dort ist es normal, dass die Mutter an der Nähmaschine sitzt und ihr Kind neben ihr liegt oder selbst an der Nähmaschine sitzt. Wir alle haben das schon in den Medien gesehen. Ich habe es leider auch mit eigenen Augen sehen müssen… kein schöner Anblick, das kann ich euch sagen!

Also was lernen wir daraus? Mode ist in jedem Fall nicht so romantisch, wie viele es darstellen. Aber den Rahmen, in dem die Kleidung produziert wird, können wir mit unserer Kaufentscheidung mitbestimmen!

daniel
daniel.schmidt@lillika-eden.de
2 Comments
  • so true…
    Einen Shrit weiter geht das vegane T-Shirt aus 100% Baumwolle. ääääh….. 🙂

    11. Mai 2016 at 10:22

Post a Comment