Primark nachhaltig dank Textilbündnis?!

Primark nachhaltig dank Textilbündnis?!

“Wie können wir unser Image verbessern? Lasst uns doch dem Textilbündnis beitreten!”

 

Viele befürchten, dass das der Gedanke war, als Primark sich entschloss, Mitglied des Bündnisses für nachhaltige Textilien zu werden.

 

Der irische Mode-Discounter ist bekannt für seine extrem niedrigen Preise, Kleidung in Wegwerfqualität und schlechte Arbeitsbedingungen. Und nun tritt er dem Textilbündnis bei. Da verwundert es wenig, dass nach dieser Nachricht viele Menschen empört aufschreien.

„Der Beitritt von Primark, einem Unternehmen, welches mit seiner Wegwerfmode das Gegenteil dessen macht, wofür wir stehen, macht es uns unmöglich, noch länger dem Bündnis anzugehören.”

„Der Beitritt von Primark, einem Unternehmen, welches mit seiner Wegwerfmode das Gegenteil dessen macht, wofür wir stehen, macht es uns unmöglich, noch länger dem Bündnis anzugehören”, sagte daher Michael Pfister, Geschäftsführer von MDC Sportswear und trat mit sofortiger Wirkung aus dem Textilbündnis aus.

 

Das Textilbündnis, 2014 vom Bundesentwicklungsminister Gerd Müller gegründet und bestehend aus Vertreter*innen der Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Standardorganisationen und Gewerkschaften, hat den Anspruch, positive Veränderungen in der Textilindustrie in Bezug auf Nachhaltigkeit und soziale Arbeitsbedingungen zu bewirken. Anfangs sahen es daher viele als große Chance. Doch dann traten immer mehr große Konzerne und Billiganbieter bei (darunter Kik, Lidl, Aldi und Takko), worunter das Image des Bündnisses stark litt. Bei den kleinen Unternehmen, die die Initiative gründeten, um etwas zu verändern, hält sich die Hoffnung nun in Grenzen.

“Durch die großen Unternehmen haben wir so gut wie kein Stimmrecht mehr.”

Lillika-Eden-Mitgründer Daniel Schmidt: “Ich war am Anfang Feuer und Flamme für das Projekt, aber jetzt sehe ich das Ganze etwas nüchterner. Durch die großen Unternehmen, die nach und nach beigetreten sind, haben wir so gut wie kein Stimmrecht mehr. Wenn wir Vorschläge einreichen würden, müssten die von Otto und Co. abgesegnet werden, und das ist doch eher unwahrscheinlich.”

 

Jedoch muss man eines bedenken – Ziel des Textilbündnisses war es von Anfang an, so viele wie möglich mit ins Boot zu holen, um umfassende Veränderungen einzuleiten. Daher sehen viele den Beitritt von Primark und Co. auch als durchaus positiv, nach dem Motto – je mehr, desto besser. Es sollen ja weltweit soziale, ökologische und ökonomische Verbesserungen entlang der gesamten Textillieferkette erreicht werden. Dazu ist es notwendig, dass gerade auch die großen Modeunternehmen mitmachen und nicht nur die jungen nachhaltigen Startups, die ohnehin schon vieles richtig machen. Wieder mal stehen wir also vor der alten Frage: Ist es besser, wenn alle mitmachen, aber die Standards niedrig halten oder wenn es nur wenige machen, aber dafür richtig?

Ist es besser, wenn es nur wenige richtig machen oder wenn es alle versuchen?

Vielleicht wäre es sinnvoller gewesen, von Anfang an die Schwelle für die Aufnahme höher zu machen, so dass nicht jedes Modeunternehmen problemlos beitreten kann, ohne gewisse Standards zu erfüllen. So hätte man gewährleistet, dass bereits die richtige Richtung eingeschlagen wurde und man eine gemeinsame Basis hat, mit der man arbeiten kann. Denn so, wie es jetzt ist, wird es schwer sein, einen Konsens zwischen den bereits nachhaltigen und sozialen Unternehmen auf der einen Seite und den Discountern wie Primark oder Kik auf der anderen Seite zu finden. Die Gefahr ist, dass einige Unternehmen im Beitritt den Vorteil für ihr Image sehen und sich durch die Mitgliedschaft Vorschuss-Lorbeeren sichern für etwas, das sie noch gar nicht erreicht haben.

Konkrete Verpflichtungen der Mitglieder gibt es momentan noch nicht, genau so wenig wie kontrolliert wird, inwiefern sich die Mitglieder des Bündnisses an die Ziele halten und tatsächlich an Veränderungen arbeiten. Erste Ziele und Ideen zur Umsetzung sind aber im Aktionsplan zu finden. Genaueres soll im Laufe des Jahres ausgearbeitet werden. Es bleibt also abzuwarten, ob die erhofften Verbesserungen eintreten oder nicht.

 

 Quellen: Textilbündnis, TextilWirtschaft

Selene
selene@lillika-eden.de

Dreamer

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