Die Deutschen und die Mode. Kein Liebesbrief.

Die Deutschen und die Mode. Kein Liebesbrief.

Die Deutschen und die Mode. Kein Liebesbrief

 

Wie so oft schreibe ich meistens über Dinge die mich nerven. Heute mal die Deutschen 😀

 

Letzten Samstag war ich auf einer Geburtstagsfeier (es war ein 79 Geburstag). Der Altersdurchschnitt auf der Feier hat den deutschen Altersdurchschnitt sehr gut dargestellt, also ziemlich alt.

 

Welche Designer kennt Ihr so? … Harald Glööckler, Guido Maria Kretschmer und Hugo Boss…

Da saß ich nun in Mitten der vielen älteren Menschen und wie konnte es anders sein, ich wurde gefragt was ich denn so mache, ich sagte Mode, kurzes Stillschweigen. Die nächste Frage kam, was machst du da genau? Ich habe ein Modeunternehmen mit meiner Frau gegründet, das sich auf nachhaltige/faire DOB fokussiert. Ich sah in den Gesichtern, das jetzt sehr, sehr viele Fragen auf mich zu kamen… Warum konnte ich nicht einfach sagen: ich bin Einzelhandelskaufmann, dass hätte keine Fragen aufgeworfen!? Nun gut, es ging weiter. Was heisst das genau fair und nachhaltig? Ich antwortete in einem Satz: Wir produzieren in Deutschland und verwenden nur biologische Stoffe. Daraufhin kam aus einer Ecke.. Wie, kann man den Stoff essen? … Ich: Selbstverständlich! Was von meiner Seite nur ein Scherz war, wurde sehr schnell als Wahrheit wahrgenommen.. (ich fand es lustig 😉 ) Daraufhin fragte ich: Welche Designer kennt Ihr so? … Harald Glööckler, Guido Maria Kretschmer und Hugo Boss… Ich stoppe hier mal die Geschichte von der Feier. Wenn Ihr wissen wollt, wie das ganze Ausging, schreibt ein Kommentar (ich will euch sonst nicht weiter langweilen).

 

Ihr fragt Euch jetzt sicher, was habe ich überhaupt auf so einer Feier verloren und was genau hat das jetzt mit Mode zu tun? Ich war auf der Feier, da es Verwandtschaft von meiner Frau war und als guter Ehemann geht man da mit.

 

Und was hat das mit Mode zu tun? Der Teil kommt jetzt.

 

Man kann es dem Deutschen auch nicht verübeln, er hat es nicht besser gelernt, der Arme 🙁

Wir Deutschen sind nicht gerade dafür bekannt Modeikonen zu sein. Schade eigentlich, da wir sehr gute Modedesigner und Marken haben. Ich meine jetzt nicht Adidas, Puma, Camp David oder Hugo Boss. Aber genau diese werden in Deutschland als Mode bezeichnet und geliebt. Was gibt es auch geileres, als am Wochenende in seinen Adiletten und dem geliebten Camp David Shirt (das doch der Dieter Bohlen immer trägt) ein gepflegtes Fussballspiel zu schauen? Der Deutsche hat in seinem Leben schon immer gelernt und eingetrichtert bekommen, das die schönen und erstrebenswerten Seiten des Lebens, Arbeit, Haus und ein deutsches Auto sind. Und natürlich 2 Wochen Club Urlaub, aber Mode spielt da keine Rolle 😉 Man kann es dem Deutschen auch nicht verübeln, er hat es nicht besser gelernt, der Arme 🙁

 

Warum sollte man überhaupt als deutscher Modedesigner hier in Deutschland etwas auf die Beine stellen? Also die Sachen werden ihm zu 95% nicht aus den Händen gerissen, weil sich die kaufkräftige Camp David Fraktion nicht dafür interessiert. Aber in Japan, den USA, Skandinavien und so weiter, da verkauft er seine Kleidung so gut wie ein Bierverkäufer im Stadion sein Bier.

 

Die Medien sollten die Mode hinterfragen. Und bitte nicht nur das Design, auch wie das ganze Hergestellt wurde und wer dahinter steht.

In Deutschland werden Designer wie GMK oder der bärtige Harald in den Vordergrund gerückt. Klar, die Hausmutti sieht den Harald im TV und will dann auch sofort etwas von ihm kaufen. Irgendwie traurig die ganze Nummer. Aber solange keine Marken oder Designer mit stilvoller Mode mit Hintergrund im Mainstream zu sehen sind, wird sich daran leider auch nichts ändern.

 

Wir brauchen mutige Entscheider aus der TV & Medien Welt, die sich dafür einsetzten das Mode mit Anspruch in den Vordergrund kommt. Ich persönlich verstehe die Mechanismen nicht, wonach jemand in Deutschland bekannt gemacht wird, aber gutes Design und Mode mit Geschichte ist es sicherlich nicht. In anderen Ländern klappt dies aber! Sei es Schweden, England, Frankreich oder Italien. In diesen Ländern sieht man auch selten in den Großstädten schlecht angezogene Menschen.

Eine Ausnahme gibt es allerdings: Michael Michalsky. Ihn sieht man wenigstens manchmal im TV. Leider zuletzt bei Germany´s next Topmodel, aber das kann noch in eine gute Richtung gehen. Also nicht GNTM, da ist der Zug abgefahren, aber bei Michalsky.

 

Die Medien sollten die Mode hinterfragen. Und bitte nicht nur das Design, auch wie das ganze Hergestellt wurde und wer dahinter steht.

 

Ich bin mir sehr sicher, das früher oder später in Deutschland die Modemacher der Zukunft in den Fokus gerückt werden und die Ära von den Billigfummeln ein Ende hat.

 

daniel
daniel.schmidt@lillika-eden.de
3 Comments
  • 🙂 Mir hat die Anekdote der Feier sehr sehr gut gefallen und ich kann mir die Blicke exakt vorstellen.
    Und mit ein wenig mehr Menschen wie dir, deiner Frau und allen, die darauf aufmerksam machen kriegt man die Deutschen und die Mode bestimmt noch wenigstens zu einer kleinen Verliebtheits-Notiz gebogen 😉

    Liebe Grüße,
    Jacqueline von http://www.jacquelineisabelle.com

    30. Mai 2016 at 15:53
  • Chris
    Antworten

    Das Titelbild ist leider aktuell zu modisch für den Beitrag 😉

    30. Mai 2016 at 21:59
  • Sandra Heidel
    Antworten

    Ja, so sieht es aus im Land der Dichter und Denker…. Diese Sache trifft es wieder genau!
    Ich habe oftmals das Gefühl, das Gros der Menschen hier in Deutschland liebt das Uniforme… Da fühlen sich die meisten scheinbar sicher und wohl, man fällt nicht so auf und muss sich nicht “erklären”. Wäre ich böse, würde ich sagen “die eine sieht lieber aus, wie die andere heißt” – auf Feiern werde ich nahezu ständig belächelt, wenn es darum geht, was ich verkaufe, weil “ach, Du verkaufst ja eher Nischenprodukte und davon kann man leben?!” Nee – ehrlich gesagt – nicht wirklich! Aber egal, ich bin gerne “Nische”, wenn das “bewusst anders” bedeutet. Meinen Laden mit nachhaltiger Mode habe ich in einem ehemaligen Pelz- und Ladengeschäft, schon das allein ist für mich FORTSCHRITT in Sachen Nische!

    31. Mai 2016 at 11:29

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