Die Sache mit dem Gewissen

Die Sache mit dem Gewissen

Schlechtes Gewissen – das kennen wir alle. Es gehört für uns zum Alltag. Weil wir uns nicht gesund genug ernähren, nicht genug Sport machen. Weil wir unsere Eltern zu selten anrufen. Weil wir das Gefühl haben, nicht unser Bestes zu geben.

 

Wenigstens in manchen Bereich versuchen wir daher, ein gutes Gewissen zu haben – zum Beispiel durch Spenden an UNICEF oder durch die zwanzig Cent, die wir dem Obdachlosen geben, den wir jeden Tag am U-Bahnhof sehen. Aber so richtig klappen tut das nicht. Man fühlt sich zwar kurz besser, aber dieses Gefühl schleicht sich immer wieder ein: dass das alles unbedeutend ist im Vergleich zu all dem “Schlechten”, das wir so tun. Deswegen sind wir auch so schlecht im Durchhalten von guten Taten – wir gehen vielleicht drei mal zu dieser Ehrenamtlichengruppe und geben dann wieder auf. Wir nehmen uns vor, regional einzukaufen, sehen dann aber auf Instagram ein tolles Rezept mit Avocado und denken uns: “Was macht das schon für einen Unterschied, ob ich die eine Avocado jetzt kaufe oder nicht?”

Wenn wir nichts tun, haben wir schlechtes Gewissen. Wenn wir etwas tun, auch – denn es ist nie genug.

Ganz unrecht haben wir damit sicher nicht. Denn es scheint ja so oder so nichts zu bringen: Wenn wir nichts tun, haben wir ein schlechtes Gewissen. Wenn wir etwas tun, auch – denn es ist nie genug.

Auch, wenn es uns oft nicht so vorkommt – wir tun immer unser Bestes.

Anfangen sollten wir vielleicht damit, nicht so hart zu uns selbst zu sein. Auch, wenn es uns oft nicht so vorkommt – wir tun immer unser Bestes. Denn unser Bestes ist nicht das, was wir uns vorstellen, sondern das, was wir real tun. Nicht mehr und nicht weniger.

Wenn wir uns dafür loben, was wir tun, dann ist die Motivation, es wieder zu tun, viel höher!

Daher lohnt es sich, immer wieder Dinge für unser gutes Gewissen zu tun. Nicht nach dem Motto “alles oder nichts” zu leben, sondern sich zu sagen: Jeder Schritt in die richtige Richtung zählt. Auch, wenn wir heute Bio einkaufen und morgen nicht, dann heißt das nicht, dass wir schlechte Menschen sind und das Ganze aufgeben sollten. Es heißt schlicht und einfach, dass wir uns bemühen – und dass wir gestern Bio gekauft haben. Und das ist doch super! Wer sagt schon, dass man etwas immer machen muss, damit es sich lohnt? Wenn wir uns dafür loben, was wir tun, dann ist die Motivation, es wieder zu tun, viel höher! Denn dann haben wir nicht den Druck, es immer richtig machen zu müssen.

Jeder Schritt zählt. Und jeden Tag kann man sich neu entscheiden.

Auf nachhaltige Mode kann man genau so beziehen: Natürlich wäre es ideal, wenn man den ganzen Kleiderschrank voller nachhaltiger und fairer Kleider hätte. Fakt ist aber: Das haben die allermeisten nicht. Eine Freundin von mir meinte neulich: “Ich kann mir das gerade eh nicht leisten. Ich warte, bis ich mal richtig Geld habe und dann kaufe ich meine komplette Gardarobe neu, so dass dann alles nachhaltig ist.” Klar kann man das so machen, aber es ist frustrierend so zu denken. Mal abgesehen davon, dass es “nachhaltiger” wäre, seine alten Sachen weiterzunutzen und nach und nach (und nur, wenn man etwas braucht) nachhaltige Kleidungsstücke dazu zu kaufen.

 

Fazit: Jeder Schritt zählt. Und jeden Tag kann man sich neu entscheiden.

 

Der nachhaltige Lebensstil kann manchmal anstrengend sein und daher sollte man sich nicht verurteilen, wenn man ihn nicht immer hundertprozentig schafft einzuhalten. Wichtig ist, dass man immer wieder sein Bestes tut, um seinen Werten entsprechend zu leben. Und wenn es mal nicht klappt: Durchatmen, drüber lächeln und trotzdem weitermachen.

Selene
selene@lillika-eden.de

Dreamer

2 Comments
  • Hi Selene, ich stimme dir in deinem Artikel voll und ganz zu. Ich selbst komme aus der Architektur und dem Design und habe schon während des Studiums immer darauf gepocht, dass wir möglichst nachhaltig planen und gestalten. Nicht immer kann z.B. ein Haus völlig autark existieren, aber man kann in vielen Fällen eine Solarfassade montieren oder andere, nachhaltige Aspekte (wie z.B. durch die Wahl der Materialien) mit einbringen. – Meine Professoren haben das leider ganz anders gesehen und Nachhaltigkeit zu einem “kurzlebigen Trend” erklärt. Sehr, sehr schade.

    Ich wünschte mir, dass mehr und mehr Menschen so denken, wie wir.
    Liebe Grüße,
    Julia

    12. Mai 2016 at 15:55
  • Das sind absolut treffende Worte. Ja ja, genau so sollte es aussehen. Immer wieder das tun, was das Beste ist im jetzigen Moment. Und so geht es Schritt für Schritt weiter. In die richtige Richtung.
    Claudia

    25. Mai 2016 at 19:42

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