Bündnis für nachhaltige Textilien

Bündnis für nachhaltige Textilien

Das Bündnis für nachhaltige Textilien feiert seinen 2 B-Day. Wir sind nun schon 2 Jahre dabei und somit eines der Gründungsmitglieder. Gestern am 23.11. war ich dann auch wieder zur großen Mitgliederversammlung in Berlin dabei.

 

Das Textilbündnis hat sich nicht lumpen lassen und hatte eine der schönsten Locations in Berlin belagert, das Radial System V um genau zu sein.

 

Für mich persönlich ist es ein Wunder, dass das Bündnis für Nachhaltige Textilien überhaupt so gut funktioniert und überhaupt Ziele/Meilensteine gesetzt werden können. Immerhin ist die Elite der Textilindustrie hier auf einem Haufen zusammen, die gemeinsam etwas schaffen wollen. Angefangen von Adidas, Tchibo, Primark, Kik und auch Lillika Eden.

 

Kann man mit so extrem unterschiedlichen Geschäftsmodellen überhaupt auf einen Nenner kommen? Kann man auf dieser Basis überhaupt ein Standard für nachhaltige Textilien schaffen? Da sind die Meinungen extrem gespalten. Ganz ehrlich, wie sollten auch Primark und wir auf einen Nenner kommen? Das wird schwer, aber vielleicht ist es machbar!

 

Zudem kommen ja auch noch die Gewerkschaften und NGO’s – was’n Abenteuer.

 

In den 2 Jahren, in denen das Bündnis nun aktiv ist, hat sich für Außenstehende und Presse nicht viel getan. Das stimmt allerdings nicht! Bis zum 31.01.2017 sind alle Mitglieder dazu aufgerufen, eine “Roadmap” zu erstellen und den Stand der Dinge auf den Tisch zu legen. Unter anderem müssen ganz simple Fragen beantwortet werden, wie z.B.: “Nutzen sie Naturfasern?”  – Falls ja –  “Wie viel Prozent Ihrer gesamten Produktion”?.

 

Die Fast Fashion Konzerne sind für mich wie Verwandte, die man nicht sonderlich mag, aber dennoch zur Familie gehören. Daher muss man auf einen Nenner kommen.

Hier eine kleine Erklärung von sauberer Kleidung

 

Alle Mitglieder müssen nun bis Ende Januar 2017 eigene Umsetzungsziele, sogenannte Roadmaps, erstellen. Die Roadmaps werden die Bereiche benennen, in denen die Mitglieder ihre Lieferanten schrittweise auf bessere Arbeitsbedingungen verpflichten. Die Roadmaps sind also zentrale Leitfäden, an denen abgelesen werden kann, was und wie viel die Mitglieder, insbesondere Unternehmen, aber auch die öffentliche Hand bei der Beschaffung von Textilien, im Textilbündnis in der kommenden Zeit zu leisten bereit sind. Quelle: www.saubere-kleidung.de

 

Es steht auch noch die Frage für mich im Raum, ob die Angaben der Mitglieder für die Roadmap auch plausibel ist. Es ist ja kein Geheimnis, das man seine Leichen im Keller nicht teilen möchte. Wer hier die Überprüfung der Roadmap macht, steht auch noch im Raum.

 

Durch die Roadmap kann erstmal analysiert werden, auf welchem Stand alle Mitglieder sind. Zudem müssen in der Roadmap auch Ziele erfasst werden, welche Prozesse man verbessern möchte.

 

Ab 2018 wird diese Roadmap auch veröffentlicht, das ist mal eine Hausnummer! Für uns ist dieser Fakt natürlich kein Problem, für andere Unternehmen stellt diese Aussicht allerdings ein etwas größeres Problem dar! Es steht auch im Gespräch, die jeweiligen Unternehmen zu sanktionieren, die keine Roadmap herausgeben wollen. Wie diese aussehen kann, keine Ahnung, vielleicht eine Bewährung oder gar ein Ausschluss?!

 

Zudem muss noch definiert werden, was “nachhaltige Textilien” überhaupt bedeutet. Wie kann man hier die Mitglieder auf einen Standard bringen, den alle erfüllen können und wollen?

 

Das Bündnis für nachhaltige Textilien muss allerdings noch viele Hausaufgaben machen, wie man all das an die Öffentlichkeit kommuniziert. Hier ist meiner persönlichen Meinung nach noch einiges zu tun. Es gibt genug positive Entwicklungen vom Bündnis selbst und den jeweiligen Unternehmen . Es gibt kein vergleichbares Bündnis auf der Welt, bei dem so viel wirtschaftliche Power & Innovationen dahinter steht.

 

Gestern auf der Mitgliederversammlung konnte ich mich wieder mal mit den Experten unterhalten. Ich finde es sehr beeindruckend, dass so gut wie alle Mitglieder in dem Bündnis eine Chance sehen, die Textilwelt zu einer besseren zu machen. Und nicht nur von den kleinen Unternehmen wie wir, nein auch die Big Player wollen eine bessere Welt haben. Ich bin ja immer etwas Anti, wenn es um die Glaubwürdigkeit der Fast Fashion Konzerne geht, aber mit etwas Zeit und umsetzbaren Zielen kann man hier gemeinsam einiges reißen!

 

Das Bündnis für nachhaltige Textilien muss als nächsten großen und sehr wichtigen Schritt auch an die Verbraucher gehen und hier eine Basis schaffen, die leicht verständlich gemacht werden muss. Das ist eine sehr, sehr, sehr, sehr schwere Aufgabe finde ich. Allerdings hat das Bündnis einen unfassbar großen Expertenpool, auf den es zurückgreifen kann. Stop. Nein hab mich geirrt! Es sind keine PR-Agenturen oder PR-Experten an Bord. So weit ich weiß. Hier gibt es ein großes Defizit. Es ist frech von mir das so zu sagen. Aber das Bündnis kann keine gescheite PK geben oder gar eine PM rausschicken. Aber die Relevanz ist gegeben. Es ist also kein Wunder, dass die Presse meist sehr kritisch auf das Bündnis für nachhaltige Textilien blickt. Dies kann man aber durch Medien/PR und Marketing Experten leicht lösen. Es gibt nämlich nicht zu verstecken!

 

So, ich muss mal langsam zum Ende kommen.

 

Ich finde das Bündnis für nachhaltige Textilien hat seine Berechtigung und die Mitglieder machen einen verdammt guten Job. Meinen persönlichen Respekt dafür. Wie gesagt hat das Bündnis auch seine Schwachstellen & Fehler, aber hey, das Bündnis ist auch erst 2 Jahre am Start!

 

Ich muss mich auch selbst in die Pflicht nehmen und mehr aktiv im Bündnis werden, was mir bisher aus akutem Zeitmangel leider nicht gelungen ist. Ich verspreche aber Besserung und habe mir vorgenommen, mit meiner bescheidenen Expertise zu unterstützen.

 

Einige Menschen haben mich wirklich inspiriert, was wirklich selten passiert. Sie haben mir gezeigt, dass auch die Großen einen wirklichen und echten Wandel vollziehen wollen. Das gibt Mut und ist eine sehr gute Nachricht für die Textilarbeiter & die Umwelt!

 

daniel
daniel.schmidt@lillika-eden.de
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